An Jan Thieme zu seinem siebzigsten Geburtstag

von Diskurs Hamburg

Der Beitrag im PDF-Format findet sich hier.

Lieber Jan Thieme, ich möchte Ihnen ganz herzlich zum 70. Geburtstag gratulieren und Ihnen alles Gute, vor allem gute Gesundheit, wünschen.

Leider kann ich mit meiner Frau nicht zu Ihrer Feier am 9. März kommen, weil wir zu der Zeit auf einer seit langem gebuchten Kreuzfahrt in japanischen und koreanischen Gewässern sind. Ich möchten Ihnen aber mindestens mit ein paar Zeilen meines hohen Respekts versichern und Ihnen meine persönliche Freundschaft anbieten. 

Wir haben uns auf einer politischen Diskussionsveranstaltung (wo auch sonst?) in der Hamburger Staatsbibliothek kennengelernt, bei der wir ins Gespräch kamen und mir bereits Ihr sehr guter ökonomischer Sachverstand und ihr außergewöhnliches (und kritisches) politisches Engagement aufgefallen ist. Ich war deshalb sehr erfreut, dass Sie ab Mai 2021 als Autor Beiträge für DISKURS geschrieben haben, das ich zusammen mit Ulrike Trebesius herausgegebe. Dies war ein politisches Diskussionsforum, das ursprünglich ein reiner Email-Versand war, der gegründet wurde, weil damals wegen Corona Face-to-face-Diskussionen nicht möglich waren. Später erschien DISKURS auch als Webseite (https://diskurs-hamburg.de/)   —  bis heute.  

Ihre zahlreichen Beiträge (bis heute 52) waren immer von hoher Qualität, profunden ökonomischen Sachkenntnissen, einem bemerkenswerten politischen Einfühlungsvermögen sowie einer präzisen und gleichzeitig verständlichen Sprache gekennzeichnet. Außerdem waren Sie  —  was ein Herausgeber besonders schätzt  —  immer von vorbildlicher Termintreue. Ich fühle mich noch immer geschmeichelt, dass Ihr erster Diskurs-Beitrag (D8-3)[1] ein profunder Kommentar zu meinem Buch „Bürger an die Macht. Wie unsere Demokratie besser funktioniert“ war, dem Sie anschließend noch ein eigenes Konzept für eine Reform der Demokratie (D9-8) angefügt haben.[2]

Ihre bisherigen Beiträge habe ich beim Schreiben dieser Zeilen noch einmal intensiv Revue passieren lassen. Ich füge die Titel mit den Links hier im Anhang an, damit auch andere Interessierte einen leichten Zugang zu Ihrem DISKURS-Schaffen erhalten können.

Wir beide haben außer dem Studium der Volkswirtschaftslehre an der Universität Hamburg noch etwas anderes gemeinsam: Unser großes politisches Interesse und Engagement hat dafür gesorgt, dass wir die meiste Zeit unseres Erwachsenenlebens Mitglied in einer Partei waren. Meistens waren wir in verschiedenen Parteien, über 20 Jahre auch in der gleichen (SPD), auch wenn wir uns damals noch nicht kannten. Wir waren auch beide für unsere jeweiligen Parteien als Abgeordnete in einem Parlament. Wir haben also beide  —  wenn ich das einmal so pathetisch ausdrücken darf  — einen Beitrag für unsere Demokratie geleistet.

Ich erwähne das deshalb, weil gegenwärtig nur 1,5% der Bevölkerung in einer Partei sind. Davon sind ca. 80% passiv (vulgo Karteileichen), nehmen also nicht an der politischen Willensbildung und —  fast noch wichtiger  —   auch nicht an der Kandidatenauswahl für unsere Parlamente teil. Somit sind nur 0,3% parteipolitisch aktiv und 99,7% der Bevölkerung sind Trittbrettfahrer der Demokratie. Ich halte das seit langer Zeit für ein gravierendes Problem unserer Gesellschaft. Ich glaube, dass die Demokratie und der Staat zu wichtig sind, um sie den Berufspolitikern und Karrieristen zu überlassen. Sie kennen meine Meinung, dass sich die Politiker (auch die Abgeordneten des Bundestages) nicht aus den Spitzenkräften eines Jahrgangs rekrutieren, sondern eher aus dem Mittelmaß. Das müssen wir ändern, aber nicht mehr wir beide. 

Da Sie ab morgen auch über 70 sind, kann ich sagen: Willkommen im Club! Wir beide lösen jetzt die Probleme der Welt in gepflegten Diskussionen  —  gern auch im inhaltlichen Streit. Den kann man bei einen Glas Wein oder Bier mit Ihnen gut beilegen. Und ich hoffe, dass wir das noch ganz häufig tun werden. Darauf freue ich mich. 

Ich werde am 9. März am Fuße des Fuji an Sie denken.

Herzliche Grüße und beste Wünsche für viele zukünftige Jahre

Ihr Jörn Kruse

Anhang : Jan Thiemes Beiträge zu DISKURS 

(https://diskurs-hamburg.de/)

D39-2Strategische Weichenstellungen für die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Deutschland  
D38-2Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) im Bundestag
D38-3Hat der Hamburger Senat überhaupt eine Hafenstrategie?             
D38-5Die Europa-Kandidatin. Ein Beispiel aus der SPD                         
D37-3Maastricht, Schuldenbremse, Schuldentragfähigkeit, Generationengerechtigkeit und andere Irrlehren                  
D36-3Was uns Sahra Wagenknecht lehrt: Die politische Ökonomie des Richtungswechsels        
D36-5Das Äquivalenzprinzip der Rentenversicherung aufgeben?          
D34-2Die Causa Aiwanger – ein Geständnis     
D34-4Das 49 Euro-Ticket: Ein Reisebericht  
D34-7Berufsausbildung für Berufspolitiker – Replik auf Replik  
D33-3Die AfD in Umfragen bei 20 Prozent – Was tun?  Eine Interpretation des Beitrages von Jörn Kruse
D33-4Wie das Rechts/Links-Pendel schwingt –  gezeigt am Beispiel vier europäischer Demokratien   
D32-3Eine Sicherheitsbroschüre ohne Strategie: Die „Nationale        Sicherheitsstrategie“ der Bundesregierung  
D32-5Die deutschen Verkehrtminister:  Eine jüngere Geschichte der Bundesverkehrsminister
D31-2Berufsausbildung für Berufspolitiker  /  Precht, de Pizan, Brüning – Die Philosophen haben die Fragen nur verschieden gestellt. Es kommt darauf an, sie zu beantworten
D31-4Eine erhöhte Sperrklausel für Regionalparteien. Ein Missverständnis   
D31-5Ist die SPD bekloppt?   
D30-1Die große Energiekrise oder: Eine andere Klimaschutzstrategie. Das neueste Buch von Fritz Vahrenholt  
D29-2Der Versuch einer Wahlrechtsreform  –  Einkreisung der Quadrate statt Quadratur des Kreises  
D28-2Zeitenwende für die SPD?          
D27-2Wege aus dem Krieg    
D26-4Dorothees Abschied oder: Was kann die Politik dafür? Wohnungsbau bei Schönwetter
D26-8„Zum ewigen Frieden“. Eine Erwiderung auf Barbara Brüning   
D24-4Öffentlich-rechtlicher Rundfunk ist verdienstvoll. Eine Erwiderung auf Jörn Kruse
D23-2“Jenifer Juniper, hair of golden flax …longs for what she lacks”  oder: Wie die Gas-Umlage die Regierung umlegt
D23-5Energiepreise, Inflation und Realeinkommensverlust
D22-3Der Fluch der Digitalisierung
D22-4Die Regenbogenflagge auf dem Reichstag
D21-2Drei Zwischenrufe zur aktuellen Lage: Tankrabatt, Parlamentarische Linke und Fünfte Kolonne
D21-5Was ist das Kriegsziel des Westens?   
D18-2Finnlandisierung der Ukraine Revisited
D17-3“From the Wage Bargaining Table into the Voting Booth”. Die politischen Konsequenzen der Tarifflucht  
D17-4Katholische Kirche: Berufsverbrecher oder mildernde Umstände?
D16-2Eine Finnlandisierung der Ukraine?
D16-3Die Inflation von Herrn Strack und seinesgleichen
D15-7Das Bundesverfassungsgericht zu Diensten der Regierung? Was für ein Unsinn! 
D14-4Die große demographische Umkehrung: “The future will be nothing like the past”  
D14-5Die Fortschrittskoalition: Das Sondierungsergebnis von SPD, Grünen und FDP    
D14-6Larmoyanz statt fundierter Analyse. Zum CDU-Ergebnis der Bundestagswahl 2021
D12-2Strategisches Wählen bei der Bundestagswahl – Revisited
D12-6Die Mär vom Kursschwenk der CDU unter Angela Merkel.  Eine kurze Geschichte der jüngeren Zeit 
D11-3Warum die kapitalgedeckte Rente nicht funktioniert  
D11-5Wenn alle untreu werden, so bleiben wir doch treu – Liberal-Konservative zwischen den Stühlen  
D10-6Fragen eines lesenden Ökonomen. Replik zu Hans-Olaf Henkel, Bernd Kölmel, Joachim Starbatty und Ulrike Trebesius  
D10-8Ist die Arbeitslosenversicherung zeitgemäß? Noch ein randständiger Vorschlag 
D10-9Einwanderungspolitik ist kein Tabu
D9-6Ist das beitragsbasierte Sozialsystem zukunftsfähig? Ein randständiger Vorschlag   
D9-7Immer wieder! Eine Replik auf Nina Goll (D8-1): „Nie wieder?“ 
D9-8Bürger auf die Wahllisten. Alternativen zu Kruses Vorschlägen 
D8-2Strategisches Wählen bei der Bundestagswahl 2021
D8-3Replik (I): Bürger an die Macht – aber wie? Eine Replik auf Jörn Kruse 

[1]   Vgl. Replik (I): Bürger an die Macht – aber wie? Eine Replik auf Jörn Kruse  (Jan Thieme)

[2]   Vgl. Bürger auf die Wahllisten. Alternativen zu Kruses Vorschlägen    (Jan Thieme)

DAS KÖNNTE IHNEN GEFALLEN