Eskalation des Generationenkonflikts – Wenn Evolution eine Pause einlegt

von Diskurs Hamburg

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Als Herbert Grönemeyer sich 1986 noch für echte linke Themen einsetzte brachte er den launigen Song „Kinder an die Macht“ heraus. Ob er das heute noch so vertreten würde hat ihn leider noch keiner gefragt. Die Antwort dürfte ihm vermutlich leicht fallen, denn heute ist er dafür bekannt, dass er mit linker Politik, wie sie einmal definiert war, nichts mehr am Hut hat und uns stattdessen von London aus mit dem erhobenen Zeigefinger erklärt, wie man mit Heuchelei und Moralin an der Realität vorbei redet.

Die Generation Z – Duckmäuser oder Psychopath

Wer heute zwischen 18 und 29 Jahre alt ist lässt sich (Ausnahmen mag es geben, aber mir fallen gerade keine ein) zumindest durchschnittlich in zwei Gruppen einteilen: Entweder zählt er sich zu denjenigen, die glauben, dass der Klimawandel die größte Bedrohung für unsere Zukunft darstellt oder er glaubt das eben nicht.

Diese beiden Gruppen könnten unterschiedlicher nicht sein: Die einen kleben sich auf Straßen oder Bilderrahmen, die anderen machen Karriere. Die einen reden sich selbst das Blockieren von Rettungswagen schön, die anderen bleiben gerne unter dem Radar. Die einen verunstalten unsere Sprache, die anderen ertragen das kommentarlos. Die einen wählen Grün, die anderen wissen nicht mehr, was sie wählen sollen seitdem ihre Partei, die sie als Erstwähler ausgesucht hatten den Liberalismus verraten hat. Die einen sind sich sicher, dass der Zweck die Mittel heiligt, den anderen ist die Entwicklung in Deutschland und Europa einfach gleichgültig. Die einen versuchen, der ganzen Welt vorzuschreiben, wie sie zu leben haben, den anderen ist es schlicht egal. Die einen geben sich lustige Pronomen, die anderen wissen nicht einmal, was das ist.

Wenn Argumente fehlen, helfen Schubladen

Eine Gemeinsamkeit haben beide Gruppen, auch wenn sie absolut nichts miteinander zu tun haben wollen: Die anlaßfreie Verachtung für alle, die älter als 60 Jahre alt sind.

Um sie zu diskreditieren bezeichnet man diese als „Boomer“ oder „alte, weiße Männer“ und macht sie für alle Mißstände des Universums verantwortlich. Das erleichtert die Auseinandersetzung in der Sache, denn Argumente und ein einigermaßen sachlicher Diskussionsstil sind anstrengend und der dafür notwendige Bildungsgrad auch nicht jedem gegeben.

Deshalb und zur Vereinfachung: Egal, was so ein Boomer sagt, es ist automatisch falsch, unmodern und klimaschädlich.

Ausgeblendet wird dabei, dass die Generation der jungen Besserwisser mit dem von den bösen Boomern aufgebauten Wohlstand schön bequem lebt und den Kiddies überhaupt erst ermöglicht, ihren wirren Unsinn oder ihre Lethargie ausleben zu können. Egal, jetzt jedenfalls werden sie nicht mehr gebraucht und mögen sich bitte ihrer Weisheiten enthalten.

Und jetzt?

Zurück zu Herbert Grönemeyer, der streng genommen ja auch ein Boomer ist. Aber er ist entschuldigt, denn wer trotz seines Lebensalters die Methodik und die sehr einfach gehaltene Rhetorik der letzten Generation adaptiert, der verjüngt sich damit gleich um mehrere Jahrzehnte.

„Kinder an die Macht“ haben wir zum Glück noch nicht, auch wenn das Establishment und vor allem der Einheitsbrei des Qualitätsjournalismus seine Sympathie für die jugendliche Heuchelei nicht einmal verbirgt. Auch zukünftig werden die Kiddies nicht an die Macht kommen, egal wie viele Videos sie auf Instagram und TikTok posten.

Was Fortschritt und Entwicklung angeht jedenfalls wird diese Generation nicht nur nichts bewirken sondern sie stellt sogar einen evolutionären Schritt zurück dar, der die gesellschaftlichen Probleme vergrößert. Ganz sicher ist diese Generation nicht die letzte, auch wenn sie die sicherlich nutzloseste ist. Die darauf folgende wird nicht nur die aktuellen Probleme lösen müssen, sie muss zusätzlich auch noch den Scherbenhaufen aufkehren, die ihnen die Generation Z hinterlässt.Bis dahin bin auch ich ein Boomer und werde mir das mit einer gewissen Schadenfreude ansehen.

DAS KÖNNTE IHNEN GEFALLEN