Zombies in Corona-Zeiten? – Wie Nullzins, Corona-Hilfen und aufgeschobene Insolvenzen die Wirtschaft auszehren

von Diskurs Hamburg

Freier Markt und Wettbewerb folgen klaren Regeln. Niedriglöhne ermöglichen Beschäftigten Arbeit, die nur eine geringe Produktivität erwirtschaften: Ungelernte, Fehlqualifizierte, gehandikapte Personen. Deshalb gibt es in der Sozialen Marktwirtschaft den Sozialstaat, der geringe Einkommen aufstockt. In Corona-Zeiten wird dieses Sozialmodell jedoch auf Unternehmen und Selbständige übertragen. Der Null- bzw. Niedrigzins hat Unternehmen überleben lassen, die nur diese niedrigen Kapitalkosten erwirtschaftet haben. Damit blieb wenig Gewinn zur Aufstockung der Eigenkapitalpuffer. Die Folgen zeigt die Corona-Krise. Mit Bürgschaften, Kredit- und Eigenkapitalhilfen sowie Soforthilfen für Selbständige, Freiberufler und Kleinbetriebe muss der Staat über die Krise retten.

Für 2020 verzeichnet die Creditreform Wirtschaftsforschung trotz Konjunktureinbruchs gegenüber dem Vorjahr einen Rückgang der Insolvenzen bei Unternehmen von 18.830 auf 16.300 (minus 13,4 Prozent).

Prof. Dirk Meyer

Die vorübergehende Aussetzung der Insolvenzantragspflicht wurde zweimal auf jetzt den 31.01.2021 verlängert. Die Gefahren sind offensichtlich. Denn Insolvenzen sind ein wichtiger Mechanismus, um Unternehmen ohne ein tragfähiges Geschäftsmodell entweder zu schließen oder es grundlegend zu sanieren. Nur so werden Arbeitnehmer, Zulieferer und Kreditgläubiger vor größeren Ausfällen geschützt.

Um die Spreu vom Weizen zu trennen, wären Gewinne der Vorjahre ein Indikator für die längerfristige Rentabilität

Für 2020 verzeichnet die Creditreform Wirtschaftsforschung trotz Konjunktureinbruchs gegenüber dem Vorjahr einen Rückgang der Insolvenzen bei Unternehmen von 18.830 auf 16.300 (minus 13,4 Prozent). Statistisch gesehen, hätten damit bereits bei unveränderter Konjunktur weitere ca. 2.500 Firmen Insolvenz anmelden müssen. Diese und weitere Corona-bedingte Ausfälle drohen nach dem Auslaufen der Hilfen 2021 eine Insolvenzwelle auszulösen, die auch gesunde Unternehmen mitreißen könnte. Man spricht von ‚untoten Unternehmen‘ oder ‚Zombie-Unternehmen‘. Sie erschweren den Neustart und verschleppen den notwendigen Strukturwandel, indem sie Kapital und Arbeitskräfte binden, die in gesunden Unternehmen produktiver eingesetzt werden könnten.

Ein ähnliches Bild liefern die Verbraucherinsolvenzen, die von 62.810 auf 45.800 (minus 27,1 Prozent) zurückgingen. Sie wurden durch Sonderregelungen beim Kurzarbeitergeld, einer befristeten Stundung von Kredittilgungen und Mietschulden geschützt. Bundesbank, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) und die Europäische Zentralbank warnen deshalb vor erhöhten Kreditausfällen, die die Stabilität des Bankensektors gefährden könnten.

Was sollte man zukünftig anders machen? Um die Spreu vom Weizen zu trennen, wären Gewinne der Vorjahre ein Indikator für die längerfristige Rentabilität. Deshalb sollte der bereits von 1 Mio. auf 5 Mio. Euro erhöhte Verlustrücktrag erstens nochmals erhöht werden und zweitens nicht nur für das Vorjahr, sondern für zwei oder mehrere Jahre gelten. So kämen auch größere Unternehmen in den Genuss dieser Erleichterung und Steuern könnten über mehrere Jahre zurückgeholt werden. Alternativ könnten die Hilfen an die Einhaltung vorjähriger betriebswirtschaftlicher Kennzahlen geknüpft werden, die von der Wirtschaftsprüfung zu bestätigen wären.

Erstveröffentlichung: „Zombies in der Krise – Gefahr für Arbeitnehmer, Zulieferer und Kreditgläubiger“, in: Junge Freiheit, Berlin, Nr. 3/21 v. 15. Jan. 2021, S. 14.

DAS KÖNNTE IHNEN GEFALLEN