Deutsche Provinzialität

von Diskurs Hamburg

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Es ist die deutsche Selbstgerechtigkeit, die Selbstgewissheit, die eigene moralische Überhöhung, die unser Land immer wieder auf Abwege bringt. Hamburg, das Tor zur Welt, betreibt wie die ganze Bundesrepublik eine Nabelschau und hält sich selbst für das Zentrum ebendieser. Das Klima wollen wir retten, und zwar global, darunter machen wir es nicht. Und wenn der Rest der Welt nicht mitzieht, so wollen wir Vorbild sein, denn schon wieder soll am Deutschen Wesen…ach, Sie kennen es doch! Und dabei stolpern, schlafwandeln wir in den nächsten Totalitarismus. Vom braunen über den roten nunmehr in den grünen Faschismus oder doch zumindest in die Planwirtschaft. Sie glauben, ich drücke mich zu hart aus? Ich übertreibe? 

Natürlich hinken Vergleiche immer und ich möchte auf gar keinen Fall das 3. Reich verharmlosen, denn weder der Ostblock bzw. die DDR noch die aktuelle Situation in der Bundesrepublik sind vergleichbar. Doch wollten wir nicht immer den Anfängen wehren? Was ist mit den Menschen in diesem Land, die pauschal von Politik und Gesellschaft ausgegrenzt und stigmatisiert werden, wenn sie sich entgegen dem herrschenden Mainstream äußern? Die zynische Aussage, man kann in diesem Land sagen, was man möchte – man muss dann halt nur die Konsequenzen tragen, bedeutet mittlerweile für viele Betroffene mindestens die gesellschaftliche und soziale Ächtung, oft auch die wirtschaftliche Vernichtung. Ich übertreibe? Fragen Sie Frau Ulrike Guerot, deren europa-politische Meinung die Verfasserin dieser Zeilen nicht teilte, deren Aussagen während der Corona-Zeit oder zum Russland-Ukraine-Krieg jedoch schon. Und die deshalb fast Ihre Professur an der Uni Bonn verloren hat. Thilo Sarrazin, der wegen seiner Bücher aus seiner Partei ausgeschlossen wurde. Dieter Nuhr, der jetzt als jemand gilt, der den Rechten in die Hände spielt. Das kleine Wort „umstritten“ ist mittlerweile ein Synonym für Ausschluss und Ächtung. Und wer Klimaleugner ist (oder nur ein paar Fakten aufzählt), ist ganz raus. Fragen Sie das SPD-Mitglied Fritz Vahrenholt. 

Seit Jahren veröffentlich die „Achse des Guten“ die „Ausgestoßenen der Woche“, Menschen, die sich schuldig machten, eine andere Meinung zu haben und dafür ihren Arbeitsplatz oder ihre Reputation verloren. Ob der renommierte Professor Sucharit Bhakdi oder Susanne Dagen, ob Lisa Fitz oder Eva Herrmann (Sie hat Mutter gesagt!), ob Markus Krall oder Pippi Langstrumpf oder Ottfried Preußler: sie sind nur einige von vielen, die mittlerweile auf der Seite Cancelculture https://cancelculture.de/register/ nachgelesen werden können. 

Dieser Blog nennt sich „Diskurs“, weil diese Entwicklung von den Herausgebern seit vielen Jahren am eigenen Leib erlebt wurde, inklusive Sippenhaft. Und weil wir viele Menschen persönlich kennen, die die Konsequenzen erleben mussten, die sich daraus ergaben, öffentlich eine andere Meinung zu haben. 

Dabei lohnt es sich, diesen geliebten Flecken Erde, der uns am Herzen liegt und an die Nieren geht (entschuldigen Sie den pathetischen Einwurf), einmal vom anderen Tellerrand aus zu betrachten. Denn dann bleibt nicht sehr viel übrig von der Aussage unseres Bundespräsidenten, dass Deutschland ein reiches Land ist. Und nichts daran, dass wir weltweit eine Vorbild– Funktion innehätten. Im Gegenteil: wir bemerken in unserer Selbstgerechtigkeit eben nicht, dass man im besten Falle über uns den Kopf schüttelt. 

Wir begeben uns freiwillig ins Aus, werden nicht mehr ernst genommen. Und wenn Sie mich fragen: zu Recht! Unsere Außenministerin wird aktuell in Brasilien weder vom Staatspräsidenten Lula empfangen, noch mag sich der dortige Minister ihre blöden (Verzeihung!) Belehrungen anhören. Vertreter aus Saudi – Arabien lassen uns wissen, dass wir Nachhilfe in Diplomatie nehmen sollten und schließen sich mit neuen Ländern zusammen, weil wir verschlafen, dass sich die Welt neu organisiert. Ohne uns. China schert sich nicht um unsere CO2-Ziele, denn dort denkt man nicht in Legislatur-Perioden, sondern in Dekaden. Indien verkauft uns russisches Gas und Öl, welches wir in Schwerlast-Tankern um die halbe Welt schiffen, weil wir mehr unter den von uns ausgesprochenen Sanktionen leiden als Russland selbst. Und uns damit nur selbst betrügen. Und davon profitieren die Länder, die begriffen haben, dass Länder keine Freunde, sondern Interessen haben. So wie Aserbaidschan, dass nun durch einen neuen EU-Vertrag Gas an uns liefert (auch russisches) und selbst genauso demokratisch, bunt und weltoffen ist wie das kürzlich noch gescholtene Qatar oder Saudi- Arabien. Wir machen uns einfach nur von anderen abhängig, verzichten dabei aber immerhin auf das gescholtene Gas von Putin. Oder?

Und wer des englischen ausreichend mächtig ist und einen Blick aus anderen – ärmeren – Ländern auf uns und unsere woke Kultur haben möchte, der hört amüsiert diesen Vortrag an, den Konstantin Kisin in Oxford hielt: https://www.youtube.com/watch?v=zJdqJu-6ZPo

Unsere Unternehmen gehen wegen hoher Energiepreise in die Insolvenz, wobei Herr Habeck wohl formulieren würde: „Sie sind nicht pleite, sie arbeiten nur nicht mehr.“ Die Liste der betroffenen Unternehmen finden Sie hier: https://www.business-leaders.net/deindustrialisierung-in-deutschland-angriff-auf-die-substanz-der-deutschen-industrie/

Unternehmen wie BASF wandern Richtung China ab, andere wie Viesmann verkaufen an die USA, die ein besonderes Subventionsprogramm aufgelegt haben, um Klein- und mittelständische Unternehmen (auch aus Deutschland) den Schritt über den Großen Teich schmackhaft zu machen. https://www.n-tv.de/wirtschaft/Studie-Deutsche-Firmen-investieren-nun-lieber-in-den-USA-article23903317.html

Die selbstgeschaffene innere geistige Enge, die andersdenkende Menschen, die doch eine Demokratie und eine Wirtschaft erst erfolgreich machen, indem sie wichtige intellektuelle Impulse und innovative Ideen einbringen, behindert uns ebenso, wie das Ausblenden der politischen und wirtschaftlichen Interessen der restlichen Welt. Der armen Länder, über die Kisin so wunderbar referiert. Wir sägen buchstäblich am Ast, auf dem wir sitzen und der uns erst in die Lage gebracht hat, moralischen Werten gegenüber wirtschaftlichen Notwendigkeiten den Vorzug zu geben. 

Im Jahre 2021 betrug die Staatsquote in Deutschland 51.3 %. Der ehemalige Bundeskanzler Helmut Kohl soll gesagt haben, dass ab einer Quote von 50 % Sozialismus vorliegt. 15 Millionen Menschen schultern mit ihrem Fleiß, ihrer Arbeit und ihren Steuern, der höchsten Abgabenlast weltweit das gesamte Land. Und damit mittlerweile insgesamt 84 Millionen Menschen: https://www.tabularasamagazin.de/15-millionen-muessen-68-millionen-mehr-oder-weniger-mittragen/

Dabei werden nicht nur Ihre Interessen am wenigsten berücksichtigt, oft müssen sie sich noch von dem ebenfalls mitfinanzierten öffentlich-rechtlichen Medien als Rechts beschimpfen lassen, wenn sie in Frage stellen, wofür Ihre Steuergelder eingesetzt werden. Oder welche politischen Entscheidungen getroffen werden.

Es ist was faul, im Staate Deutschland, wenn ich Shakespeare verfremden darf. Faul ist die gesamte Infrastruktur. Die Straßen und Brücken, die Schulen und Krankenhäuser respektive das Gesundheitssystem, die Bahn, die Post, die Digitalisierung usw. Das Bauwesen erlahmt, weil hohe Materialkosten, hohe Energiekosten und sinnlose Verteuerungen für angebliche Gebäudedämmung die Preise in die Höhe treiben und damit das Wohnen teurer machen. Das Bauen ohnehin. Und wir importieren Strom, wenn er teuer ist und verschenken ihn bzw. bezahlen andere Länder für die Abnahme, wenn die Brise über die norddeutsche Tiefebene weht oder die Sonne in Bayern scheint und damit für Überschuss im deutschen Stromnetz sorgen. Hörenswert ist dabei der tägliche Podcast von Tichys Einblick, der am Ende des Beitrages immer den Energiewende-Wetterbericht beinhaltet, der hören, staunen und verzweifeln lässt. https://www.youtube.com/watch?v=2CIqvbTXcWM

Henryk M. Broder sagte einst, wenn man Deutschland überdacht, sind wir eine geschlossene Anstalt. Nun werden wir auch noch von den Insassen regiert. 

Doch wenn wir wohl etwas gut können, dann Wiederaufbau! Das haben die Deutschen nach dem 2. Weltkrieg bewiesen und mit der Wiedervereinigung ebenso, die doch alles in allem ein Erfolg war. 

Und wenn die Grünen mit ihrem Klimaschutz fertig sind und es noch ein paar blühende Landschaften danach geben sollte, werden wir wieder die Ärmel aufkrempeln und anpacken. Vielleicht lernen wir dann endlich aus unserer Geschichte. Die Hoffnung stirbt zuletzt. 

DAS KÖNNTE IHNEN GEFALLEN