Nie wieder. Erwiderung auf Jan Thieme

von Diskurs Hamburg

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In meinem Artikel Nie wieder“ (D8-1) habe ich beklagt und kritisiert, dass auf den Hamburger Straßen anti-israelische Demonstrationen stattgefunden haben und dass weder die Polizei eingriff noch die Politik zu diesen Ereignissen angemessen Stellung bezog. Wegen dieser Kritik hat Jan Thieme (D9-7) mich in die rechte Ecke gestellt und allerlei Dinge behauptet und unterstellt, die weder in meinem Beitrag stehen noch von mir geschrieben wurden. Er meint, mir Dinge in den Mund legen zu müssen oder erklären zu wollen, was ich meinte. Glaubt er denn, erläutern zu müssen, was ich als Frau gemeint haben könnte, weil ich selbst dazu nicht in der Lage bin? Schwingt hier sein herablassend-männliches, also sexistisches, Weltbild mit? Er bedient dabei doch selbst nur Stereotypen, die uns in der Diskussion nicht weiterbringen, ja, die diese sogar verunmöglichen. Ich weise hiermit ausdrücklich alle von Herrn Thieme gemachten Behauptungen aufs Schärfste zurück und verwehre mich gegen diese unglaublichen Unterstellungen! Nichts von seinen bösartigen Anschuldigungen, Vermutungen und Unwahrheiten insbesondere im letzten Absatz aber auch im gesamten Text waren Teil meines Artikels. Wie kommt Herr Thieme zu diesen Behauptungen? Wieso unterstellt er Dinge, die in meinem Beitrag so nicht zu lesen sind?

Er macht es sich doch recht leicht, wenn er gerechtfertigte Kritik an den Demonstrationen gegen Israel in Deutschland delegitimiert und Ausfälle verharmlost, die normalerweise strafrechtlich relevant sind, nur weil ich sie auch in Zusammenhang mit den Ereignissen von 2015 setze?  Nicht nur bagatellisiert er anti-israelische und rassistische Ausfälle bei diesen Demonstrationen auf unseren Straßen, er verharmlost diese als Ausdruck legitimer Israel-Kritik im Rahmen des Palästina-Konfliktes. Und so, wie er einerseits Differenzierung anmahnt, unterstellt er mit leichter Hand auf der anderen Seite allen Ostdeutschen in einem Nebensatz Rechtsradikalität auf Grund vermeintlichen Abgehängtseins. Ja, lieber Thieme, auch sie scheinen nicht frei von Pauschalierungen zu sein.

Es sind die vermeintlich Wohlmeinenden wie Herr Thieme, die glauben, mit ein paar guten Erklärungen zum Nahost-Konflikt wären diese Ausfälle schon irgendwie entschuldbar. Dabei ist dem Extremismus von allen Seiten entschieden entgegenzutreten. Ob dem von Beatrix von Storch, mit dem er mich einfach gemein macht wie eben auch mit dem muslimischen Antisemitismus. Dankenswerterweise ist der Verfassungsschutz an dieser Stelle aufmerksamer, will er doch hier eine neue Unterscheidung aus genau diesem Grunde einführen. Wir müssen uns allen Extremisten entgegenstellen.

Herr Thieme ist so sehr damit beschäftigt, den Rechtsradikalismus zu bekämpfen – zu Recht, wie ich hier einfügen möchte – dass er auf allen anderen Augen blind zu sein scheint. Gut, dass sich die Juden in unserem Land nicht auf Herrn Thieme verlassen müssen. Denn er sieht nur das, was er sehen möchte. Wir können nur dann konstruktiv sein und Lösungen finden, wenn wir alle Seiten der Medaille betrachten. Nur wer Probleme anerkennt, benennt und analysiert, wird in der Lage sein, das Versprechen einhalten zu können, dass jüdische Menschen in Deutschland sicher leben zu können.

DAS KÖNNTE IHNEN GEFALLEN