Nie wieder ist jetzt. Wirklich?

von Diskurs Hamburg

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Der 07. Oktober 2023 war auch eine Zäsur der deutschen Einwanderungspolitik. Der Überfall der Hamas auf Israel und die Ermordung von Menschen, Frauen und Kindern war ein Angriff auf unseren westlichen Lebensstil. Gezielt wurden feiernde junge Menschen bestialisch angegriffen, gedemütigt, erniedrigt, gequält, vergewaltigt und ermordet. Mehr als 1400 Zivilisten wurden durch die Hamas getötet. Die Taten waren so schlimm, dass man von einem Zivilisationsbruch spricht und Journalisten, denen man im Rahmen einer Pressekonferenz Videos der von der Hamas gefilmten Taten zeigte, in Tränen ausbrachen oder den Saal verlassen haben.

Die Krise im Nahen Osten hat schon längst seinen Weg auf die deutschen Straßen gefunden und die Berliner Sonnenallee oder der Steindamm in Hamburg markieren den Gazastreifen in unseren Städten. Hier ist es nach den Taten zu Jubel-Feiern gekommen, hier wurden die palästinensischen Fahnen geschwungen, denn diese Straßen wurden längst vereinnahmt.

Das alles war absehbar. In einem Artikel aus dem Mai 2021 (Nie wieder? https://diskurs-hamburg.de/nie-wieder/) habe ich auf pro-palästinensische Demonstrationen in Hamburg reagiert, die mich schockiert zurückließen. Dort wurden antisemitische Parolen gegrölt und israelische Fahnen verbrannt, ohne dass die anwesende Polizei auch nur einen Finger rührte. Ein Leser des „Diskurs“ schob mich für meinen Beitrag mit Verve und allerlei Unterstellungen zu Aussagen, die ich so nie getätigt hatte, zügig und selbstgefällig in die rechte Ecke. https://diskurs-hamburg.de/nie-wieder/ .

Ich verwehrte mich damals dagegen (https://diskurs-hamburg.de/nie-wieder-erwiderung-auf-jan-thieme/) und frage nun heute: ist es nicht genau die naive selbstgefällige Linke, die zu diesem offensichtlich muslimischen Antisemitismus aktiv beigetragen hat? Durch Wegschauen, durch Verleugnen und vielleicht auch ein wenig, weil die Kritik an Juden und deren Gleichsetzung mit Kapitalismus und weißer Kolonialisierung auch zur linken Seele und deren systemischer Kritik gehört? Sind es nicht ausgerechnet Vertreter aus eher linksgerichteten Parteien und Vereinigungen, die den Terror der Hamas verharmlosen und sich an die Seite der Terroristen stellen? Es fußt auf dem schlichten Weltbild, das der Westen per se böse, individualistisch und verkommen sei. Das linke Juste Milieu verdeckt seinen eigenen Rassismus, Antisemitismus und Neokolonialismus und deutet es als Emanzipation- und Freiheitsbegehren um.

Kathrin Göhring-Eckardt, Die Grünen, postulierte 2015, dass Deutschland sich ändern werde, und sie freue sich darauf. Weitsichtigere Zeitgenossen warnten schon damals vor solch absehbaren Entwicklungen. Angela Merkel riss mit ihrer Zuwanderungspolitik die gesamte EU in eine Krise, die bis heute anhält. „Nun sind sie halt da.“ war ihre lapidare Antwort. Insgesamt entstand der Eindruck der Verharmlosung muslimischen Antisemitismus in Deutschland durch Politiker und Verbände, um die eigene Fehlentscheidung zu verwischen. Selbst der Skandal zur Documenta in Kassel, auf welcher Ausstellungsstücke mit eindeutig antisemitischen Aussagen gezeigt worden – unter der direkten Verantwortung der Grünen Claudia Roth – löste nicht den angemessenen Shitstorm aus, der üblicherweise von links bei jeder noch so kleinen sprachlichen Ungenauigkeit erfolgt. Die üblich betroffenen Künstler von Herbert Grönemeyer bis zu den Toten Hosen, die sonst die ersten sind, die auf Konzerten „Wir sind mehr“ singen, schwiegen dröhnend in Anbetracht des Terrors der Hamas gegen unsere westliche Lebensart. 

Im Gegenteil wurden die Demonstrationszüge durch deutsche Städte mit Slogans wie „From the River to the Sea“ durch die politisch Linke sekundiert. Die Wasserwerfer, Verhaftungen und Hausdurchsuchungen, die die Polizei noch vor 2 Jahren an protestierenden Familien und Rentnern, die gegen die Corona-Maßnahmen auf die Straße gingen, mit aller Härte des Rechtsstaates durchgeführt wurden, kamen hier jedoch nicht zum Einsatz. Stattdessen wurden wir Zeuge, wie die Pro-Palästinenser ihre Flaggen auf unseren Wahrzeichen hissten: in Berlin vor dem Roten Rathaus und in München auf dem Rathaus selbst. Hat man Angst vor der deutlich gewaltbereiteren Klientel? Vor unschönen Bildern?

Die Queer-Verbände marschierten an der Seite der Palästinenser durch Hamburg, Berlin, Essen, Köln und München, in ihrer unglaublichen Naivität missverstehend, dass genau sie die ersten wären, die man in Gaza Stadt ermorden würde für ihre Andersartigkeit. Wer dies nicht glauben mag, der höre den aktuellen Podcast „Indubio“, wo Homosexuelle von ihren Erfahrungen seit 2015 in Köln berichten und die die Silvester – Angriffe in Köln mutig und richtig als Terrorangriffe gegen Frauen einordnen. Und man fragt sich, wo die feministische Außenpolitik bleibt, wenn man sie wirklich brauchen könnte. Wer „Unterwerfung“ von Michel Houellebeqc gelesen hat, dem schaudert angesichts dessen, wie wir in den letzten Jahren gegen solche Entwicklungen abgestumpft sind.

Später entblödeten sich weder Frau Göhring-Eckardt noch Frau Merkel „Nie wieder ist Jetzt!“ zu postulieren, eine weitere hohle Phrase der deutschen Politik, die sicher nicht mit Konsequenzen unterfüttert werden wird. Doch in Symbol-Politik hat Deutschland ja Erfahrung: das Brandenburger Tor (mal mit der ukrainischen Flagge angestrahlt, mal von Klima-Terroristen orange beschmiert) wurde durch die israelische Flagge erleuchtet, um den Opfern der Gräueltaten vom 07. Oktober 2023 zu gedenken. 

Nur Tage später haben duzende Muslime dort – genau dort am Brandenburger Tor – in einem muslimischen Gebet deutlich gemacht, was sie von diesen Damen, von uns und unserer Kultur und unserer Staatsräson halten: Nichts! Es war eine Machtdemonstration des Islam mitten in unserer Hauptstadt. 

War tatsächlich nicht absehbar, dass man Menschen aus einem Kulturkreis ins Land holt, die eben unsere Staatsräson nicht nur nicht teilen, sondern diese sogar verachten? Dies ist keine Frage der Hautfarbe, sondern eben eine der Religion. Seit Jahren gibt es immer wieder Kritik über die Finanzierung der Moscheen in Deutschland und ganz besonders in Hamburg durch Saudi-Arabien, den Iran und die Türkei. Ohne staatliche Kontrolle, die sich im Gegenteil diesen Verbänden immer wieder angedient (man möchte sagen „unterworfen“) hat, entstanden dort Orte, an denen man zu Hass auf unseren Lebensstil aufruft. Insbesondere in Hamburg gab es immer wieder Hinweise auf Radikalisierungen in Moscheen, nachdem hier die Attentäter des Anschlages von 2001 auf die Twin Towers in New York ausgebildet worden sind. Die Imame unterstehen direkt dem zuständigen Ministerium in der Türkei, dessen Präsident vor wenigen Tagen in einer in Deutschland nicht beachteten Rede den Angriff der Hamas gegen Israel als Kampf zwischen der islamischen Welt und dem Westen einordnete.

Stattdessen machen wir unsere Schwäche deutlich, indem vor wenigen Tagen ein Funktionär der Taliban in einer Kölner Moschee aufgetreten ist. Die Bundesinnenministerin Nancy Faser, bekannt durch ihren Kampf gegen rechts, hat keine Ahnung, wie dieser Mann ohne Genehmigung und ohne Visum nach Deutschland hat einreisen können und fordert Aufklärung. Ja, von wem denn, möchte man die Dame fragen! 

Ja, man sah dies alles kommen, wenn man nicht in selbstgefälliger Eitelkeit von oben herab Menschen leichtfertig verurteilte und sich im eigenen Gutsein sonnte. Es hätte verhindert werden können und müssen, wenn man die rosarote Brille abnimmt, nicht dem Mainstream nachplappert, sondern sich bemüht, die Dinge zu sehen, wie sie sind. Und nicht wie man sie haben möchte.

Ich sage nun salopp: Da haben wir den Salat. Von Kanzler Scholz über Habeck und Özdemir sind Aussagen gekommen, für die man die AfD (und die Autorin steht dieser Partei kritisch gegenüber) vor ein paar Wochen noch geteert und gefedert hat. Demut wäre ebenso angemessen wie die Überlegung, wo man denn noch so alles geirrt haben könnte. Und wir brauchen echte Lösungsansätze statt Populismus. Wie genau möchte man verhindern, dass der Islam immer weiter Raum greift in unserem Land? Was genau wird getan, um der weiteren Radikalisierung insbesondere junger Männer aus dem arabischen Raum entgegenzuwirken? Wie will man zukünftig garantieren, dass Juden in Deutschland sicher leben können und mit ihrer Kippa in die Jüdische Schule am Grindelhof gehen könnte, ohne Polizeischutz an 7 Tagen / 24 Stunden, wie das dort seit Jahren üblich und notwendig ist? Wie wollen wir sicherstellen, dass unsere Stolpersteine, die sich durch Hamburg ziehen, nicht nur Gedenk-Folklore sind? Was gedenkt man zu tun, um diese Menschen, die sich nicht zu unseren Werten bekennen und sich nicht integrieren – und dazu gehört unser Bekenntnis zu Israel – außer Landes zu bringen?

Die Linken sind auf dem antisemitischen Auge blind, weil sie klammheimlich genau so denken. Es ist der Selbstekel einer verweichlichten Gesellschaft, die nicht mehr in der Lage ist zu erkennen, dass andere Menschen nicht so naiv und selbstlos sind wie sie selbst. Der Trennstrich liegt im westlichen Lebensstil. Es ist auch Ausdruck einer Gesellschaft, die keinerlei Bedrohung mehr erlebt und deshalb jeden Instinkt zur Selbstverteidigung verloren hat. 

Henryk M. Broder, jüdischer Publizist aus Deutschland schrieb dazu treffend: „Wie es zu 1933 kommen konnte? Weil die Menschen damals so waren, wie wir heute sind.“ Das sei uns alles ins Stammbuch geschrieben.

https://www.achgut.com/artikel/indubio_folge_303_schwul_sein_nur_noch_im_hochsicherheitstrakt
https://www.dumont-buchverlag.de/buch/michel-houellebecq-unterwerfung-9783832197957-t-4524
https://www.bild.de/regional/berlin/berlin-aktuell/dutzende-muslime-beten-am-brandenburger-tor-das-foto-geht-um-die-welt-85831014.bild.html

DAS KÖNNTE IHNEN GEFALLEN