Harvard, MIT, Penn und andere Universitäten: Antisemitisch und/oder korrupt ?

von Diskurs Hamburg

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Nach dem Überfall der islamistischen Hamas-Terroristen auf südisraelische Orte am 7. Oktober 2023 und der bestialischen Ermordung und Vergewaltigung von 1400 Menschen und der Verschleppung von über 200 weiteren gab es eine Welle der Empörung und zahlreiche Demonstrationen in die eine und die andere Richtung. 

Eine andere Qualität, die über eine normale Meinungsäußerung und Solidarisierung weit hinausgeht, bekommt es jedoch, wenn konkret zum Völkermord an den Juden in Israel aufgerufen wird. Dies ist das Postulat von „From the river to the sea“, also vom Jordan bis zum Mittelmeer. Solche Rufe haben wir nach dem 7. Oktober auf deutschen Straßen von Palästinensern, anderen Arabern, deutschen Muslimen und linken Studenten gehört, die sich mit dem rassistischen Angriff der Hamas auf Juden solidarisiert haben. Volksverhetzung (§ 130 Strafgesetzbuch) ist in Deutschland strafbar und mit Freiheitsstrafen von drei Monaten bis zu fünf Jahren bedroht. Die deutschen Behörden blieben allerdings untätig. Sie verfolgen lieber einen Karnevalsverein namens Reichsbürger (vgl. D27-5)

In den USA gab es an vielen Universitäten ähnliche Aufforderungen zum Völkermord an Juden sowie zahlreiche Einschüchterungen und tätliche Angriffe auf dort studierende Amerikaner und Ausländer jüdischen Glaubens. Dies betrifft auch Spitzenuniversitäten, von denen eine antisemitische Einstellung bisher nicht allgemein bekannt war (oder übersehen wurde?). Es hat in der politischen Öffentlichkeit in Amerika Empörung hervorgerufen. 

Das Repräsentantenhaus in Washington, eine der beiden Parlamentskammern der Vereinigten Staaten, hat daraufhin die Präsidentinnen von drei Eliteuniversitäten, nämlich Claudine Gay von Harvard, Sally Kornbluth vom MIT (Massachusetts Institute of Technologie) und Liz Magill von der University of Pennsylvania (Penn State) zu einer Anhörung eingeladen. Alle drei haben in der mehrstündigen Befragung, die bei Youtube abrufbar ist, einen jämmerlichen Eindruck hinterlassen, weil sie sich auf die wohlkalkulierten, blutleeren Statements ihrer Hausjuristen zurückgezogen haben. 

Alle betonten die Bedeutung der Meinungsfreiheit an ihren Universitäten. Auf die Frage von Abgeordneten „Ist der Aufruf zum Genozid an den Juden ein Verstoß gegen die Richtlinien zu Mobbing und Belästigung?“ antworteten sie sinngemäß, das hinge vom jeweiligen Kontext ab. Ein Aufruf zum Völkermord an Juden kann also o.k. sein, wenn der Kontext stimmt (?). Das macht fassungslos. Dazu muss man sich in Erinnerung rufen, dass generell die Verhaltens- und Sprachregeln an amerikanischen Universitäten in den letzten Jahren zunehmend restriktiver (man könnte auch sagen kleinlicher) geworden sind.[1] Wann immer man dort Dinge sagt, die Angehörigen einer bestimmten Gruppe (z.B. LGTBQ-Personen, People of Color etc.) unangenehm sein könnten, riskiert man (neben einem Shitstorm) auch eine disziplinarische Maßnahme der Universität. Es ist insofern ein besonders übler „Doppelstandard“, wenn man an Universitäten nach Meinung ihrer Präsidentinnen unter der Maßgabe von „free speech“ zum Judenmord aufrufen darf. Erst wenn man diesbezüglich zur Tat schreitet, verstößt man gegen die Campus-Regeln.

Es wurde inzwischen bekannt, dass einige amerikanische Spitzenuniversitäten beträchtliche Spenden aus Ländern des Nahen Ostens erhalten. Zum Beispiel erhielt die staatliche Pennsylvania State University angeblich 300 Millionen Dollar aus Katar, einem Hauptfinanzier und politischen Unterstützer der Hamas. In vielen Fällen bemühen sich Staaten und Unternehmen aus nachvollziehbaren (aber nicht immer akzeptablen) Gründen darum, nicht öffentlich als Spender in Erscheinung zu treten und wickeln das über eine namentlich unverdächtige Stiftung oder eine Privatperson ab.

Falls sich herausstellen sollte, dass die antisemitischen Verhaltensweisen von Universitätsspitzen mit beträchtlichen Spenden aus muslimischen Ländern inhaltlich in einem Zusammenhang stehen, müsste man sie als korrupt bezeichnen. Bisher weigere ich mich noch, diesen Zusammenhang für primär relevant zu halten, weil ich grundsätzlich einen hohen Respekt vor der Forschung und der Lehre von amerikanischen Universitäten habe. Können sich etwa schwerreiche Ölförderländer westliche Universitäten kaufen? 

Korrupte Universitätsspitzen, die natürlich viel stärker von den Studiengebühren ihrer Studenten und von den Spenden ihrer Alumni (Ehemalige) und anderen abhängen als das bei den staatlichen Universitäten in Deutschland der Fall ist, würden den Ruf der betreffenden Universitäten natürlich stark beschädigen. Dies hätte auch gravierende finanzielle Konsequenzen durch reduzierte Erlöse aus Studiengebühren, ein geringeres Spendenaufkommen und reduzierte Zahlungen der jeweiligen Bundesstaaaten.

Inzwischen haben offenbar einige amerikanische Spender ihre Zusagen bei einzelnen Universitäten, die von unsanktionierten antisemitischen Volksverhetzungen betroffen sind,  zurückgezogen. Viele Universitäten werden in der nächsten Zeit über die Herkunft ihrer Budgets präzise Auskunft geben müssen. Kürzlich ist Liz Magill, die Präsidentin von Penn State, zurückgetreten  — ob freiwillig oder auf Druck ihrer Universitätsgremien ist fraglich. Ob Claudine Gay von Harvard, Sally Kornbluth vom MIT und weitere Präsidenten und/oder Präsidentinnen folgen werden, muss man abwarten.


[1]   Dem Schutz empfindlicher Egos dienen auch die sog. Trigger-Warnings, in denen sogar bei Lektürelisten für Studenten vor Texten gewarnt wird, in denen Schimpfwörter, Sex und andere gefährliche Dinge vorkommen können. Seit einiger Zeit gibt es auch bei Netflix entsprechende „Warnungen“. 

DAS KÖNNTE IHNEN GEFALLEN