Schmidt vs. Spiegel

von Diskurs Hamburg

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Am 17. Februar 1962 erlebte die Freie und Hansestadt Hamburg eine Sturmflut gewaltigen Ausmaßes. Die Schäden, die das Elbhochwasser damals anrichtete, waren unbeschreiblich: Strom und Telefone fielen aus. Ganze Stadtteile waren auf Grund der gewaltigen Wassermassen komplett von der Außenwelt abgeschnitten. Menschen hatten verzweifelt auf Dächern und in Bäumen ausgeharrt und auf Hilfe gehofft. Es gab Berichte über Ertrunkene und Menschen in großer Not. Zehntausende Menschen schwebten in den überfluteten Gebieten in höchster Gefahr.

Der damalige Polizeisenator Helmut Schmidt nahm die Sache beherzt in die Hand und setzte sich über geltendes Recht hinweg, indem er die Bundeswehr und die Nato in die Hilfsaktion einbezog, die unter seinem Befehl eine Rettungsaktion startete, die ihresgleichen sucht.

„Ich habe die alle einfach selbst angerufen oder mit Funksprüchen oder Fernschreiben in Bewegung gesetzt. Ich habe gesagt: ‚Sie müssen Hubschrauber schicken, Sie müssen Pioniere schicken, die mit Sturmbooten die Menschen von den Dächern runterholen'“, erinnert sich Schmidt 1982 in einem Interview mit dem NDR. „Die haben zunächst geglaubt, ich sei verrückt geworden. Weil sie mich aber gut kannten, haben sie auf mein Insistieren hin schließlich sehr schnell funktioniert.“

Der damalige erste Bürgermeister Hamburgs, Paul Nevermann, bricht seinen Kuraufenthalt in Österreich sofort ab und ist nur 1 Tag später zur Stelle, um die ihm anvertraute Stadt zusammen mit Schmidt in einem übergesetzlichen Notstand schnelle und energische Hilfe zukommen zu lassen. In dieser für die Hansestadt dramatischen Situation hat Helmut Schmidt seinen Ruf als Krisen- Manager zu Recht manifestiert. Mit Mut und Engagement, über das Grundgesetz hinaus hat er die Menschen mit dem Notwendigsten wie Decken, Lebensmitteln und Medikamenten versorgt. 400 Menschen retteten die eingeleiteten Maßnahmen das Leben. Insbesondere der Einsatz von Hubschraubern, die die vom Wasser eingeschlossene Menschen von den Dächern teils unter dem Einsatz des eigenen Lebens retteten und die von den betroffenen Hamburgern als „Rettende Engel“ bezeichnet wurden, sind heute tief im Gedächtnis der Hansestadt verwurzelt. Stündlich trafen Hilfstrupps aus ganz Europa ein: aus Großbritannien, den Niederlanden, Belgien, Dänemark usw., um den Hamburgern in diesen schweren Stunden beizustehen. Viele Hamburger spendeten Geld, Lebensmittel und Kleidung oder halfen dabei, die aufgeweichten Deiche zu stabilisieren.

Bis zum heutigen Tage verehren die Hamburger Helmut Schmidt, der damals mit Tatkraft und Mut die Menschen vor dem Schlimmsten bewahrte. Helmut Schmidt hat einen Mythos gegründet, den er als Finanz- und Verteidigungsminister sowie als späterer Bundeskanzler und Elder Statesman noch erweiterte.

Im Jahr 2021 wurde das Ahrtal von einer Hochwasser-Katastrophe heimgesucht, bei der 137 Menschen ihr Leben ließen und das als größte Katstrophe seit dem 2. Weltkrieg gelten kann. Trotz Warnungen des Deutschen Wetterdienstes vor extremen Unwettern, Dauer- und Starkregen, gab es keinerlei offizielle Warnungen durch die Behörden oder das Umweltamt.

Die damals zuständige Umweltministerin Anne Spiegel war an diesem Abend bzw. in dieser Nacht telefonisch nicht erreichbar. Während die Menschen im Ahrtal starben oder ihr Hab und Gut verloren, passte Anne Spiegel einen Beitrag gendergerecht an, in welchem „campende“ Menschen vor Hochwasser gewarnt wurden. An die Menschen in der betroffenen Region insgesamt ging jedoch keine Warnung heraus. Danach fuhr Anne Spiegel für 4 Wochen in den Urlaub, weil sie sich auf Grund persönlicher Umstände belastet fühlte. Die Menschen, für die sie politische Verantwortung hatte, warten teilweise bis heute auf Hilfe und Entschädigung.

Zwischen der Sturmflut in Hamburg und der Katastrophe im Ahrtal liegen knapp 60 Jahre und eine gesellschaftliche und politische Verwahrlosung, die dringend aufgearbeitet werden muss. Wir haben uns längst daran gewöhnt, dass Menschen, die weder intellektuell, persönlich noch moralisch geeignet sind, unser Land regieren. Oder um an dieser Stelle Willy Brandt zu zitieren: „Wer nur 4 oder fünf Flaschen Wein im Keller hat, hat relativ wenig, wer aber vier bis fünf Flaschen im Kabinett hat, hat relativ viel.“

DAS KÖNNTE IHNEN GEFALLEN