Versailles in Berlin

von Diskurs Hamburg

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Versailles ist das Kürzel für die absolutistischen Machtstrukturen und Verschwendungsexzesse im Frankreich des 18. Jahrhunderts. Das Schloss von Versailles ist riesengroß, prächtig und extrem teuer.[1] Neben den französischen Königen (von Ludwig XIV. bis Ludwig XVI.) gab es eine riesige Menge von Adeligen (ca. 1000 mit mehreren Tausend eigenen Bediensteten), die außer ihren Schlössern in der Provinz eine Dependance in Versailles hatten. Unter den prächtigen Perücken befand sich meist nicht viel Nennenswertes, also weder Bildung noch Managementqualitäten. Ihre Ländereien wurden von ihren Verwaltern geführt. 

Die Adeligen wohnten im Versailler Schloss oder in dessen unmittelbarer Umgebung und nahmen an den grandiosen Bällen, Gelagen, Jagden etc. teil, um die sie in ganz Europa beneidet wurden. Damit wurden sie einerseits korrumpiert und waren andererseits unter der Kontrolle des Königs, damit sie machtpolitisch nicht auf dumme Gedanken kamen. Unnötig zu betonen, dass die riesigen Summen, die in Versailles und in anderen Schlössern verprasst wurden, durch eine Ausbeutung des gemeinen Volkes in ganz Frankreich aufgebracht wurden. Schon eine solche heutige Formulierung ist gänzlich unhistorisch, da die damaligen feudalen Nutznießer das als völlig normal und ihr gutes Recht betrachteten. Da von ihnen niemand etwas gesellschaftlich Sinnvolles leisten musste, bestand die gesamte Szenerie aus Äußerlichkeiten, Eitelkeiten und Rangeifersüchteleien.

Das historische Ergebnis ist bekannt: Als Ludwig XVI. versuchte, das Volk mit noch höheren Steuer zu belasten, führte dies 1789 zur französischen Revolution und 1793 zur Enthauptung von Ludwig XVI. und Mitgliedern seiner Entourage durch die Guillotine in Paris. 

Das politische System im Frankreich des 17. und 18. Jahrhunderts, das im Begriff Versailles seinen Ausdruck findet, kann man als Feudalmonopol bezeichnen. Ein hervorstechendes Merkmal war die tiefe Kluft zwischen der Führungselite aus König und Adeligen, zu denen defacto auch der hohe katholische Klerus gehörte, und dem einfachen Volk, das politischweitgehend einflusslos war.

Zahlreiche demoskopische Erhebungen zeigen seit längerer Zeit auch in Deutschland, dass von den Bürgern eine Kluft zwischen der politischen Machtelite in Berlin und der deutschen Bevölkerung wahrgenommen wird. Die Fähigkeiten und Leistungen der Parteien und Politiker in Berlin werden von den Bürgern seit langem sehr kritisch betrachtet.[2] Aber obwohl viele Politiker seit langem abwertend beurteilt werden und es ihnen eigentlich unangenehm sein müsste, laufen diese nicht mit dunkler Sonnenbrille und Gesichtsmaske herum, sondern drängen sich eher vor die TV-Kameras. In einer Demokratie, in der die Bürger die politischen Minderleister eigentlich durch Abwahl loswerden können sollten, ist dies weniger selbstverständlich als im vergleichbaren Versailles-Kontext, in dem die Rekrutierung und die Nach-folge rein familiär und keineswegs leistungsorientiert geregelt wurde. Aber auch die führenden Politiker der dominanten Parteien im Bundestag (CDU, SPD, Grüne und FDP) müssen kaum eine Abwahl fürchten, die durch mangelhafte Amtsführung begründet würde. Die frühere Praxis, versagende Minister zu entlassen, ist leider ganz aus der Mode gekommen. 

Zwischen dem gegenwärtigen Berliner Regierungsviertel und dem, was oben über Versailles gesagt wurde, gibt es noch viel mehr Parallelen. Ein Beispiel ist die Selbstverständlichkeit der Machtausübung in hohen Partei- und Staatsämtern selbst von Leuten, die nicht einmal einen Studienabschluss oder irgendeinen anderen Berufsabschluss vorweisen können. Eine andere Parallele besteht in den langen Verweildauern der Abgeordneten im Bundestag. Diese basieren darauf, dass die Machtverhältnise in den (kleinen) Wahlkreisen und Landesverbänden es ihnen relativ einfach machen, ihre eigenen Nachfolger zu werden, schon indem sie durch intensives lokales Networking potentielle Konkurrenten frühzeitig demotivieren.[3] Auf diese Weise kommt nur wenig frischer Wind ins Parlament und die Abgeordnetentätigkeit wird quasi zu einem Beamtenjob, nur viel besser bezahlt.[4] Auch die Diskussionen um ein neues Wahlrecht wurden primär von den Interessen der etablierten Wahlkreiskandidaten dominiert.[5]   

Äußerlichkeiten und Eitelkeiten sind auch ein Merkmal vieler Politikerexistenzen in Berlin. Die Bundesregierung hat 2022 nach Angaben des Bundesrechnungshofes 1,5 Mio Euro für Visagisten, Friseure und Fotografen ausgegeben, um die Minister und Ministerinnen schön aussehen zu lassen (wenn ihre politischen Leistungen das schon nicht zulassen). Das ist eine Steigerung um 80% gegenüber dem Vorjahr. Ob die 510.000 €uro Kosten für Fotografen beim Bundespresseamt darin enthalten sind? Ich vermute nein. Allerdings wahrscheinlich  wohl die 40.000 Euro Fotografenkosten für Bundeskanzler Olaf Scholz. Aber das klingt noch bescheiden. Die EU-Kommission zahlte 2,75 Millionen Euro für Make-up und Fotos.

In Deutschland verblassen alle Schönheitskosten, wenn man sie mit den Ausgaben für Annalena Baerbock und Robert Habeck vergleicht. Ich habe sofort an Versailles gedacht, als ich gelesen habe, dass Annalena Baerbock 136.500 Euro im Jahr allein für eine Visagistin ausgibt, also für den eitlen Schein von Äußerlichkeiten. Als ich dann gelesen haben, dass dies vom deutschen Steuerzahler bezahlt wird, war ich empört. Wie kann der Bundesrechnungshof so etwas durchgehen lassen? Aber wahrscheinlich bin ich nur naiv.

Dann ist mir wieder einmal in den Sinn gekommen, dass Annalena Baerbock immer in sehr schicken Kleidern etc. auftritt. Das kann man ja gut finden, wenn man bedenkt, dass sie Deutschland im Ausland vertritt. Man könnte auch vermuten, dass sie völlig auf Äußerlichkeiten konzentriert ist, weil sie fachlich (also in Fragen der Außenpolitik) und intellektuell nicht viel zu bieten hat. Ich kann nur hoffen, dass sie wenigstens ihre Kleider selbst bezahlt. Oder gibt es auch dafür einen Etatposten im Auswärtigen Amt zu Lasten der Steuerzahler? Gibt es etwa einen externen Sponsor, der sich dafür politische Gefälligkeiten erhofft? 

Der schöne Schein von Äußerlichkeiten ist offenbar auch für Robert Habeck enorm wichtig. Schließlich gab er zunächst 83.000 Euro für Kosmetik, Friseure und Fotografen aus, damit von ihm vorteihafte Bilder entstehen, das heißt wie er gesehen werden will. Robert aus Flensburg in der lässigen Pose eines intellektuellen Denkers. Das scheint auch wirklich nötig zu sein, da er sich (als Wirtschaftsminister) seit einiger Zeit durch ökonomische Inkompetenz selbst entzaubert. Auch die früher lässig zur Schau getragene Souveränität ist partiell von ihm abgefallen. Aber die bisherigen Habeck-Bilder scheinen ihm noch nicht gut genug zu sein. Aus einer Ausschreibung des Bundeswirtschaftsministeriums für einen persönlichen Habeck-Fotografen ergibt sich, dass dieser einen Vierjahresvertrag im Umfang von 350.000 Euro erhalten soll.

Grundsätzlich kann man fragen, warum der deutsche Steuerzahler überhaupt Fotografen bezahlt. Schließlich gibt es bei nahezu jedem Event ein Dutzend professionelle Pressefotografen, die ihre Speicherkarten permanent mit Scholz-, Habeck- und/oder Baerbock-Fotos füllen. Da die Fotografen vermutlich wie die meisten Journalisten grün und/oder links orientiert sind, können die betreffenden Politiker auch darauf bauen, das die Fotos vorteilhaft ausfallen. Bei der schönen Annalena ist das ja ohnehin klar.

Die deutsche Außenministerin war kürzlich zu einer Reise nach Australien, Neuseeland und Fidschi aufgebrochen. Die Stärkung der politischen Verbindungen mit Australien und Neuseeland ist allein schon wegen der aggressiven Expansionsansprüche Chinas in Ostasien von hoher Bedeutung. 

Nach einer Zwischenlandung in Abu Dhabi ließen sich die Landeklappen nicht schließen, so dass der Airbus A340 der Flugbereitschaft der Bundesregierung nach dem Ablassen von 80 Tonnen Kerosin[6] zum Flughafen Abu Dhabi zurückkehrte. Nach einer Flugzeug-Überprüfung wurde der Flugversuch am nächsten Tag erneut unternommen und hatte das gleiche desaströse Ergebniss  — nach etlichen früheren Blamagen mit deutschen Regierungsfliegern. Das ist natürlich nicht Baerbocks Schuld, aber dennoch peinlich für die Bundesregierung, für die Bundeswehr, für Airbus und für Deutschland insgesamt. Die hämischen Kommentare in der internationalen Presse mischen sich mit denen über den wirtschaftlichen Niedergang Deutschlands, über seine katastrophale Migrationspolitik, über die dilettantische Heizungswende und vor allem über die moralische Überheblickeit der deutschen Regierung, insbesondere der Grünen.   

Ich frage mich, warum nicht nach dem ersten Flop gleich ein Weiterflug von Abu Dhabi oder Dubai nach Sydney oder Canberra mit einer zivilen Fluglinie organisiert wurde. Vermutlich gab es auf dieser Strecke mehr als ein Dutzend Flüge in der fraglichen Zeitspanne. Die Begründung war, dass es für die gesamte Entourage von 50 Personen keine Plätze gegeben hätte. Aber vermutlich hätte es für Annalena Baerbock plus fünf oder zehn Mitarbeitern solche Plätze gegeben. Dann hätten die mitreisenden Journalisten und Fotografen die Weiterreise eben anders organisieren müssen oder diese abbrechen. Aber lohnt sich für eine Ministerin eine Reise ohne (oder mit wenig) Reportern und Fotografen überhauptnoch? Ich habe gehört, es gibt auch in Australien Fotografen und journalistische Korrespondenten deutscher Medien.

Stattdessen wurde die gesamte Reise abgebrochen und der Rückflug nach Deutschland angetreten. Damit dokumentierte man seinen Gastgebern in Australien, Neuseeland und Fidschi, dass sie wohl doch nicht so wichtig sind wie man vorher verkündet hatte. 

Man kann natürlich die Frage stellen, wieso die deutsche Regierung überhaupt mehrere eigene Langstrecken-Flugzeuge benötigt. Übers Jahr kosten diese vermutlich ein Vielfaches von dem, was die Reisen in zivilen Flugzeugen in der First- oder Business-Klasse für den Steuerzahler gekostet hätten. Ist Olaf Scholz eifersüchtig auf die Airforce One? Annalena Baerbock hat von den 99 Flügen als Ministerin 87 mit einem Regierungflugzeug durchgeführt. 

Sind Regierungsflieger einfach eine eitle Prestige-Angelegenheit, damit die hochmögenden Politiker nicht mit normalen Bürgern zusammen fliegen müssen? Die Kluft zwischen der politischen Klasse und den Bürgern muss man natürlich sichtbar machen. In Versailles konnten die Adeligen in ihren Kutschen die Vorhänge zuziehen, um das einfache Volk nicht sehen zu müssen, das sie ohnehin nur als Domestiken kannten.


[1]   Der Film „Jeanne du Barry“, der im Sommer 2023 gerade in den Kinos läuft, vermittelt einen optischen Eindruck von der Zeit Ludwigs XV.

[2]   Vgl. Kruse (2021), Bürger an die Macht. Wie unsere Demokratie besser funktioniert, S. 65ff und  Abb.1 in  https://diskurs-hamburg.de/zur-qualifikation-von-politikern-ausgehend-von-einem-diskurs-zwischen-barbara-bruening-und-jan-thieme-wie-koennen-wir-fuer-hoehere-fachkompetenz-sorgen/  und D7-5 Warum ist das Vertrauen in die Parteien so gering ?

[3]   Vgl.  Kruse (2021), Bürger an die Macht. Wie unsere Demokratie besser funktioniert, S. 151ff.  

[4]   Zur Zeit erhalten die Bundestagsabgeordneten Diäten, über die sie selbst entscheiden, in Höhe von monatlich 10.591,70 Euro. Hinzu kommt eine Kostenpauschale von 4.725,48 Euro im Monat, sowie eine Bahncard 100 und etliche Flugkostenerstattungen etc. Außerdem haben die Bundestagsabgeordneten durchschnittlich (d.h über alle Parteien) Nebeneinkünfte von 73.620 Euro pro Jahr, die höchsten diejenigen von AfD, Linke und FDP.

[5]   Vgl. D21-3 Der Wahlrechtsvorschlag der Ampelfraktionen

[6]   Wie oft kann man mit dieser Kerosinmenge wohl mit einer A320 von Hamburg nach München fliegen? 

DAS KÖNNTE IHNEN GEFALLEN