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In der vorangegangenen Diskurs-Ausgabe D58 waren zwei Beiträge zum Ukraine-Krieg erschienen. Der eine Betrag (D58-3) war eine Besprechung des Buches von Klaus von Dohnanyi und Erich Vad: Krieg oder Frieden – Deutschland vor der Entscheidung von Barbara Brüning, in dem die Buchautoren für den Weg von Deeskalation und Verhandlungen im Ukraine-Krieg plädieren, was der in diesem Diskursforum von Barbara Brüning mehrfach geäußerten Position nahekommt. Der andere Beitrag (D58-4) von Christian Osthold mit dem Untertitel Vom Verteidigungskrieg zur strategischen Neuordnung analysiert Osthold wie gewohnt mit tiefer Kenntnis und faktenreich belegt die Wirksamkeit von Sanktionen gegen Russland und kommt zu dem Ergebnis, dass die Primär- und Sekundärsanktionen wegen mannigfaltiger weltwirtschaftlicher Abhängigkeiten auch des Westens und wegen der Umgehung durch Verbündete Russlands keine kriegsentscheidende Wirkung haben können.
Nun hat es an Verhandlungsbemühungen mit Russland nicht gefehlt, nicht durch Olaf Scholz und Emmanuel Macron kurz vor dem absehbaren russischen Überfall auf die Ukraine, nicht an Vermittlungsbemühungen durch Recep Tayyip Erdoğan und anderen diplomatischen Initiativen mehr und nicht zuletzt am Engagement des mächtigsten Mannes der Welt Donald Trump, der sich am 15. August 2025 mit Wladimir Putin in Alaska getroffen hatte. Das Ergebnis insbesondere der letzten Bemühungen von Donald Trump war eine mörderische Verstärkung der russischen Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur und ukrainische Zivilisten und die Ausweitung der hybriden Kriegsführung Russlands gegen europäische NATO-Länder.
Wenn es denn nun so ist, dass diplomatische Initiativen und Verhandlungsversuche nicht zum Frieden oder wenigstens zum Waffenstillstand führen, und wenn es denn so ist, dass Sanktionen keine kriegsentscheidende Wirkung haben, dass bleibt logischerweise nur eines: Militärische Stärke, um Russland zum Einlenken zu zwingen. Es sei denn, der Westen will die Ukraine Russland als einen Vasallenstaat wie Belarus überlassen, und Russland dadurch zu weiteren imperialistischen Expansionen ermutigen. Gegen eine militärische Eskalation wird die Gefahr eines militärischen russischen Angriffs auf die NATO angeführt, aber auch der würde nur durch militärische Stärke, eben durch Abschreckung abgewehrt.
Zu diesem Ergebnis der Ausschlusslogik – Diplomatie funktioniert nicht, Sanktionen funktionieren nicht – kann man auch auf direktem Wege kommen, indem man sich den imperialistischen und verbrecherischen Charakter der russischen Putin-Regimes vor Augen hält.
Frieden ist zwar erstrebenswert. Die Welt ist aber nicht friedlich, und sie ist es noch nie gewesen. Deshalb ist Frieden nicht allein mit friedlichen Mitteln erreichbar und auch noch nie erreicht worden (auch nicht jüngst in Gaza). Dieser Realität sollte sich jeder und jede stellen, der oder die den Frieden erstrebt. Wer will, mag darin eine Hegelsche Dialektik entdecken, in der der Widerspruch von Krieg und Frieden in einem durch kriegerische Mittel erreichten Frieden aufhoben wird.
