Krieg im Nahen Osten: Israel startet Operation „Rising Lion“

von Diskurs Hamburg

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Israels Angriff auf den Iran ist ein präzedenzloser Präzisionsschlag mit globaler Sprengkraft – doch der Versuch, Sicherheit herzustellen, hat eine neue Dynamik strategischer Instabilität entfesselt.

„Der Orient ist ein Traum, eine Fata Morgana, ein Theater glänzender Illusionen – ein Schwindel der Seele.“ Mit diesen Worten beschrieb der französische Diplomat Alphonse de Lamartine im Jahr 1835 seine Eindrücke von einer Welt, die ihm zugleich betörend und irreal erschien. Was er sah, war nicht bloß eine ferne Region, sondern ein Rauschbild – schön, trügerisch, unergründlich.

Doch unter dem Schleier aus Staunen und Sinnestäuschung brodelt eine andere Realität. Der Nahe Osten ist kein Traum, sondern ein historisches Epizentrum der Gewalt – überfrachtet mit Religionen, Ressentiments und rivalisierenden Imperien. Kaum eine Region der Welt ist so tief in einen strukturell verfestigten Gewaltkonflikt verstrickt wie diese. Seit dem Zweiten Weltkrieg kam es nirgendwo sonst zu so vielen militärischen Auseinandersetzungen auf so engem Raum.

Der Nahostkonflikt ist dabei kein einzelnes Geschehen, sondern ein überlagertes System konkurrierender Narrative: Gründungsmythos des jüdischen Staates, Vertreibung der arabischen Bevölkerung, Abwehr islamistischer Bedrohung – und Widerstand gegen eine als kolonial empfundene Ordnung. Jede dieser Deutungen besitzt ihre eigene historische Rationalität – und zugleich ein Opfernarrativ, das politische Identitäten prägt und den Konflikt fortschreibt.

Die historische Einsicht, dass es keine absolute Wahrheit, sondern nur perspektivische Wahrheiten gibt, trifft in der strategischen Praxis auf harte Realitäten. Für Israel bedeutet das: Der jüdische Staat sieht sich mit einer existenziellen Bedrohung konfrontiert – und setzt alles daran, ihr zuvorzukommen. Der Schlag gegen die Hamas, die Angriffe auf die Hisbollah, die gezielte Ausschaltung iranischer Kommandeure – all das kulminierte am 13. Juni 2025 in einem beispiellosen Angriff auf das Zentrum des iranischen Machtapparats.

Mehr als 200 israelische Kampfflugzeuge griffen simultan über 100 Ziele im iranischen Kernland an. Über 330 Präzisionswaffen trafen militärische und nukleare Infrastrukturen – ein Versuch, die Islamische Republik entscheidend zu schwächen, bevor sie atomwaffenfähig wird. Premierminister Benjamin Netanjahu sprach von einem „Akt nationaler Selbstverteidigung“ – eine Formulierung, die eher innenpolitisch mobilisiert als völkerrechtlich legitimiert.

Parallel dazu führten Mossad und AMAN eine verdeckte Operation auf iranischem Boden durch. Sie sabotierten Kommunikationsketten, unterwanderten Sicherheitsprotokolle, lokalisierten Zielpersonen – und steuerten gezielte Indiskretionen an ausgewählte Medien. Strategische Kommunikation wurde zur Waffe, um Reaktionsfähigkeit zu schwächen und den internationalen Diskurs zu beeinflussen.

Ein Detail verdeutlicht die Tiefe des Eingriffs: Laut einem Insider gelang es, die gesamte Führung der iranischen Luftwaffe zu einem Treffen zu bewegen – und sie dort festzusetzen. Das Ergebnis war ein koordinierter Enthauptungsschlag: Neben Urananlagen wurden zentrale Figuren des Regimes ausgeschaltet, darunter Revolutionsgarden-Kommandeur Hossein Salami, Generalstabschef Mohammad Bagheri, Luftwaffenchef Amir Ali Hadschisadeh und führende Köpfe des Atomprogramms. Die iranische Kommandostruktur war über Stunden gelähmt – eine Folge gezielter Schläge und systemischer Schwächen zugleich.

Der Angriff war mehr als ein Präventivschlag – er war ein strategisches Signal: Israels Fähigkeit zur multiplen Schockwirkung – militärisch, psychologisch, kommunikativ – bleibt ungebrochen. Der Gegner mag über Ressourcen verfügen, doch Israel ist ihm technologisch und operativ überlegen. Und dennoch bleibt der jüdische Staat verwundbar – durch asymmetrische Angriffe, politische Isolation und die Dynamik permanenter Eskalation.

Ziel war nicht nur die Ausschaltung des Atomprogramms, sondern die operative Lähmung des sicherheitspolitischen Nervenzentrums der Islamischen Republik. Über 20 hochrangige Militärs und mindestens sechs führende Nuklearwissenschaftler wurden dabei getötet.

Erst die parallele Bodenoperation machte das volle Ausmaß der Attacke möglich: Während die Luftoffensive lief, platzierten israelische Spezialkräfte ferngesteuerte Waffenplattformen nahe iranischer Luftabwehrstellungen – getarnt, präzise und exakt im Moment des Angriffs aktiviert. So wurde der Luftraum durchbrochen und das Verteidigungssystem lahmgelegt – ein Wendepunkt in der Kriegsführung: asymmetrisch, dezentral, technologisch transformiert. Die Parallelen zur ukrainischen „Operation Spinnennetz“ sind augenfällig – doch Israel hat eine neue operative Schwelle überschritten: in Reichweite, Integration und Zielgenauigkeit.

Ein besonders brisanter Aspekt ist der Bericht über eine Drohnenbasis nahe Teheran, von der aus Boden-Boden-Raketen der geheimen Anlage Asfadschabad ausgeschaltet wurden – ein Ort, der auf keiner offiziellen Karte existiert. Ob gezielte Desinformation oder reale Einrichtung: Der Kampf um strategische Informationshoheit ist längst integraler Bestandteil moderner Kriegsführung.

Ziel der Operation war eine doppelte Ausschaltung – personell wie infrastrukturell. Hochauflösende Satellitenbilder zeigen Einschläge in mindestens vier Gebäuden in Natanz, darunter auch unterirdische Anlagen, in denen Uran bis nahe an die waffenfähige Schwelle von 90 Prozent angereichert wurde. Laut IAEO verfügte Iran zuletzt über 408 Kilogramm Uran mit 60 Prozent Anreicherung – potenziell ausreichend für neun Sprengköpfe. Externe Strahlungswerte wurden nicht registriert, doch interne Kontaminationen gelten als wahrscheinlich.

Die iranische Führung reagierte mit dem bekannten Reflex strategischer Schadensbegrenzung – wie aus Moskau oder Pjöngjang bekannt. Doch Satellitenbilder widerlegten rasch das offizielle Narrativ. Die Kontrolle über den Informationsraum war verloren – ein weiterer Bestandteil der israelischen Strategie.

Dennoch blieb Iran militärisch reaktionsfähig. Nur Stunden später feuerte Teheran Raketen und Drohnen auf israelisches Territorium – begleitet von einer Rhetorik, die vor allem innenpolitisch mobilisieren sollte. Die meisten Projektile wurden abgefangen, doch es gab Tote und Verletzte. Teheran sprach von „symbolischer Vergeltung“ und kündigte eine „umfassende Antwort“ an – auch gegenüber jenen Staaten, die Israel logistisch oder militärisch unterstützen.

Obwohl die langfristigen Folgen noch offen sind, markiert der Schlagabtausch vom 13. Juni – und seine Fortsetzung am Wochenende – eine neue Phase: Der Schattenkrieg ist entgrenzt, der Konflikt zwischen Israel und Iran wird nun offen und strategisch vernetzt geführt.

Die internationalen Reaktionen auf den israelischen Angriff offenbaren das Spannungsfeld einer fragmentierten Weltordnung: Während einige Israels Selbstverteidigungsrecht betonen, warnen andere vor einer gefährlichen Eskalation – und nutzen die Lage zur geopolitischen Profilierung. UN und EU forderten Zurückhaltung, Russland und China reagierten scharf. Die arabischen Staaten verurteilten den Angriff geschlossen, Indien zeigte sich besorgt. Die Ukraine rief zu einer Allianz gegen autoritäre Regime auf. In den USA lobte der wohl im Vorfeld informierte Donald Trump den Angriff, während die Regierung offiziell auf Distanz blieb.

Brisant war der Zeitpunkt des Angriffs. Nur wenige Tage später sollten in Genf Gespräche zwischen den USA und dem Iran zur Wiederbelebung des Atomabkommens (JCPOA) beginnen. Israel hatte das Abkommen stets als illusionär abgelehnt; Netanjahu bezeichnete eine Rückkehr als „inakzeptabel“. Der Schlag gegen Natanz und die Ausschaltung zentraler Akteure wirkte somit nicht nur militärisch kalkuliert, sondern auch als gezielte Unterminierung des diplomatischen Prozesses – präzise in der Wirkung, doppelt in der Botschaft.

Wie der Nahostkonflikt selbst bleibt auch dieser Angriff ambivalent. Aus israelischer Sicht ist die Bedrohung existenziell – eine präventive Verteidigung erscheint alternativlos. Doch ob der 13. Juni den Iran dauerhaft am Bau einer Atombombe hindert, ist offen. Sicher ist nur: Militärische Überlegenheit garantiert keine strategische Stabilität, wenn jeder Präventivschlag neue Eskalationen hervorruft. Der Einsatz für Sicherheit kann zur Quelle permanenter Unsicherheit werden – nicht nur für Israel, sondern für die gesamte Region.

Die Bilanz der vergangenen zwei Jahre ist eindeutig: Kein Staat im Nahen Osten war militärisch aktiver als Israel. Die Angriffe reichten von Luftschlägen gegen die Hamas im Gazastreifen über Operationen gegen die Hisbollah im Libanon und proiranische Milizen in Syrien bis zum Präventivschlag gegen das iranische Atomprogramm. Dahinter steht ein strategischer Paradigmenwechsel: Verteidigung wird nicht mehr territorial gedacht, sondern präventiv umgesetzt – Sicherheit nicht verteidigt, sondern vorverlagert.

Diese neue Logik firmiert im israelischen Militärjargon unter dem Begriff „mabam“ – „Krieg zwischen den Kriegen“. Gemeint ist eine permanente Interventionsbereitschaft, die Bedrohungen ausschalten soll, bevor sie operativ wirksam werden. Die Strategie beruht auf verdeckten Operationen, gezielten Tötungen und präzisen Luftschlägen – oft tief im gegnerischen Staatsgebiet. Ihre militärische Effizienz steht außer Frage, politisch und völkerrechtlich ist sie jedoch umstritten.

Denn das strategische Kalkül provoziert asymmetrische Reaktionen. Während Israel chirurgisch operiert, reagieren seine Gegner mit Raketen auf Städte, Drohnenangriffen auf Flughäfen oder Cyberattacken auf kritische Infrastruktur. Damit wächst die systemische Verwundbarkeit des eigenen Staatsgebiets. Zugleich droht außenpolitisch eine schleichende Isolation: Je häufiger Israel zur Gewalt greift, desto mehr verliert es an internationaler Rückendeckung – zumal der Westen zunehmend gespalten agiert.

Wie riskant diese Dynamik ist, zeigt exemplarisch der Gaza-Krieg. Nach dem Abzug der israelischen Truppen 2005 und einer Phase relativer Zurückhaltung entschloss sich die Regierung Netanjahu nach dem Terrorangriff vom 7. Oktober 2023 zu einer radikalen Antwort: der „endgültigen Lösung“ des Gaza-Problems – verstanden als dauerhafte Entfernung der palästinensischen Bevölkerung. Ob dies den Tatbestand des Völkermords erfüllt, wie der Internationale Gerichtshof in Den Haag prüft, ist juristisch umstritten. Doch die empirische Bilanz ist eindeutig: Zehntausende zivile Tote, eine weitgehend zerstörte Infrastruktur, ein unbewohnbares Territorium.

Dass große Teile der Bevölkerung Gazas das Ziel der Hamas – die Vernichtung Israels – unterstützten, ändert nichts an der humanitären Bilanz. Der Krieg hat ein kollektives Trauma hinterlassen, das weit über Gaza hinausreicht – und jenen transnationalen Hass nährt, der schon in der Vergangenheit Tausende junge Männer in die Reihen islamistischer Organisationen trieb. Militärische Überlegenheit schafft keine Sicherheit, wenn sie neue Feinde hervorbringt. Das gilt auch für den Kampf gegen den Iran.

Zugleich sinkt durch technologische Entwicklungen die Schwelle zur Verwundbarkeit: Drohnenschwärme, KI-gesteuerte Cyberwaffen, Biotechnologie – die Kriege der Zukunft werden asymmetrisch, systemisch und kaum kontrollierbar sein. Das zeigt nicht zuletzt der Ukraine-Krieg, der längst nicht mehr von Armeen, sondern vom Einsatz disruptiver Technologien geprägt ist. Ob Israel auf diesen Paradigmenwechsel vorbereitet ist, bleibt offen.

Für die israelische Regierung ergibt sich daraus in jedem Partikularkonflikt – ob gegen Hamas, Hisbollah, Huthis oder Revolutionsgarden – dieselbe Schlussfolgerung: Der Feind muss vollständig neutralisiert werden. Solange die Islamische Republik das Zentrum anti-israelischer Allianzen bleibt, besteht die strategische Bedrohung fort. Erst ein Regimewechsel könnte militärische Dominanz in politische Stabilität überführen.

Der Name des Angriffs – „Der erwachende Löwe“ – verweist bewusst auf das alte Nationalsymbol des Iran. Dahinter steht ein doppeltes Signal: demonstrative Stärke nach außen, gezielte Erschütterung des politischen Zentrums nach innen. Ob der 13. Juni tatsächlich einen Flächenbrand im Innern des Regimes entfacht, ist ungewiss. Doch die Botschaft aus Tel Aviv ist eindeutig: Wer Israels Sicherheit bedroht, darf keine Zurückhaltung erwarten.

Mit dieser Entschlossenheit stellt sich jedoch eine grundlegende Frage: Wie lange lässt sich ein Zustand permanenter Eskalation aufrechterhalten, ohne in einen offenen Mehrfrontenkrieg zu geraten – oder den Rückhalt der internationalen Partner zu verlieren, auf dem Israels Sicherheitsarchitektur seit Jahrzehnten beruht? Und wie reagieren die Partner des Irans auf die Schwächung des Regimes?

Moskau, Teherans wichtigster Verbündeter im Nahen Osten, hat kein Interesse an einem politischen Umsturz. Russland bezieht nicht nur Drohnen aus dem Iran, sondern hat nach dem Machtverlust Assads auch seinen militärischen Ankerpunkt in Syrien weitgehend eingebüßt. Wie relevant der Krieg mit Israel für den Kreml ist, zeigt sich daran, dass Wladimir Putin nicht nur mit Donald Trump, sondern auch mit der israelischen und iranischen Führung unmittelbar nach Beginn der Luftangriffe telefonierte.

Doch bei der Wahrung seiner Interessen steht Moskau vor einem Dilemma: Es fehlen die Mittel zur direkten Einflussnahme. Die Krise trifft Russland in einer Phase hoher Verluste, wirtschaftlicher Schwäche und strategischer Rückzüge – etwa durch den Abzug der Wagner-Gruppe aus Mali. Faktisch gilt: Der Kreml ist weder militärisch in der Lage, den Iran zu unterstützen, noch ökonomisch in der Position, ihn zu entlasten.

So bleibt Moskau nur die rhetorische Solidarität. Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur TASS, Russland verurteile die Eskalation des Konflikts scharf und sei über eine mögliche weitere Zuspitzung zutiefst beunruhigt. Tatsächlich ist nicht auszuschließen, dass der Kreml Teheran zur Mäßigung gedrängt hat: Am Sonntag erklärte das iranische Regime, es werde seine Raketenangriffe einstellen – sofern Israel seinerseits die Luftschläge beende. 

Allerdings ist fraglich, ob Israel seine Operation noch abbricht. Die Entschlossenheit, sie zu Ende zu führen, überwiegt. Premierminister Benjamin Netanjahu erklärte: „Hätten wir keine Maßnahmen ergriffen, hätte der Iran Atomsprengköpfe an seine Proxys weitergegeben. Dies wäre der Beginn des nuklearen Terrorismus gewesen.“

Ungeachtet aller internationalen Kontroversen bleibt eines unbestreitbar: Ein Iran ohne Atombombe ist ein Gewinn an globaler Sicherheit. In diesem Sinne hat Israel Fakten geschaffen – mit strategischer Wirkung und geopolitischem Risiko. Die Welt hat ein Atomprogramm weniger, aber einen Flächenbrand mehr.

DAS KÖNNTE IHNEN GEFALLEN