Nazis im ukrainischen Asow-Regiment

von Diskurs Hamburg

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Wer  erinnert sich nicht an die eindrucksvollen Bilder der „tapferen Asow-Kämpfer“ im Stahlwerk der ukrainischen Stadt Mariupol, die in Deutschland durch alle Medien gingen. Das Asow-Regiment leistete „bis zum Letzten“ Widerstand gegen die russische Armee, die die Stadt dann einige Tage später eingenommen hat. Vergessen wurde damals bei der Bericht­erstattung, dass einige der Kämpfer Nazi-Symbole wie die Wolfsangel oder die schwarze Sonne auf ihren Uniformen hatten. Gegründet wurde dieses Regiment vom Andrij Biletskyi, einem ausgewiesenen Anhänger der SS, der sich allerdings zurückgezogen haben soll. Aber ist seine Nazi-Ideologie damit auch aus den Köpfen der Kämpfer verschwunden?

Die Plattform „T-online“ berichtete als einziges Medium am historischen Tag des 20. Juli von einem Vorfall im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Ein Soldat des Asow-Regiments besuchte mit einem T-Shirt einer russischsprachigen rechten Band die Gedenkstätte des Konzentrationslagers. Auf dem Rücken des T-Shirts war geschrieben: Where we are, there is no place for anyone else! (Wo wir sind, ist kein Platz für jemand anders). Die genaue Herkunft des Satzes ist nicht zweifelsfrei geklärt – die meisten Historiker schreiben ihn Adolf Hitler zu, andere meinen, er stamme von Josef Goebbels. Wie lange sich der Soldat in der Gedenkstätte mit diesem T-Shirt aufgehalten hat und was die Museums­leitung dazu sagt, war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht geklärt.

Der Asow-Soldat mit dem Instagram Namen „111toha 22“, der für seine Leistungen im Krieg ausgezeichnet wurde, postete ein Bild von sich in Auschwitz auf seinem Instagram  Account und einen entsprechenden Post dazu, der inzwischen wieder gelöscht wurde. Auf dem Instagram  Account waren übrigens auch Zitate von Hermann Göring zu finden. Nun könnte man ja meinen, dass es lediglich um einen Einzelfall handelt, wenn nicht die Zeitung „Die Junge Welt“ bekanntgemacht hätte, dass sich jener Soldat „111toha 22“ gemeinsam mit anderen gleichgesinnten Asow-Kämpfern vom 21. Juli bis 2. August auf einer Sommertour in Deutschland befindet, um Kämpfer unter den Exil-Ukrainern zu überzeugen, mit ihnen zusammen in der Ukraine in den Krieg zu ziehen. Für mich stellt sich vor diesem Hintergrund  die Frage, warum ukrainische Neo-Nazis nach Deutschland einreisen dürfen, während Neo-Nazis aus anderen Ländern wie Österreich nicht einreisen dürfen? Es regt sich der Verdacht, dass hier offenbar moralisch und politisch mit zweierlei Maß gemessen wird? Und wenn  dann ständig von der Politik wiederholt wird, dass die Ukraine für unsere Freiheit kämpfe, dann kann ich dem nicht uneingeschränkt zustimmen. Denn das Asow-Regiment kämpft keineswegs für meine Freiheit und vertritt auch keine europäischen Werte.

Der Vorfall im KZ Ausschwitz-Birkenau ist übrigens nicht der erste Nazi-Fauxpas, der sich in der Ukraine ereignet hat. Vor einigen Monaten sollte im kanadischen Parlament ein „Freiheitskämpfer gegen die Russen“ ausgezeichnet werden, der schon 1944 „gegen die Russen“ Widerstand geleistet habe – damals waren die Russen übrigens noch Alliierte im Kampf gegen Hitler. Dass er dabei gemeinsam mit der SS auch Juden umgebracht hatte, wurde diskret verschwiegen. Erst als ein kanadischer Historiker Alarm schlug, sagte das Parlament die Ehrung ab, und der Parlamentspräsident, der die Ehrung vorgeschlagen hatte, musste gehen. Schon damals habe ich mich gefragt, wieso nicht sorgfältiger geprüft wird, wer ein wirklicher ukrainischer Freiheitskämpfer ist und wer eine Nazi- Vergangenheit hat.

In dieses Szenario passt auch der Vorfall, den Sarah Wagenknecht in der Talkshow „Sandra Maischberger“ Anfang Juli geäußert hat. Auf die Frage der Moderatorin, warum sie denn nicht mal in die Ukraine reise und sich das Leid dort hautnah ansehe, antwortete die Politikerin, sie sei von dem ehemaligen ukrainischen Botschafter in Deutschland Andrij Melnik mit dem Tod bedroht worden, wenn sie in die Ukraine komme. Vorausgesetzt, dass sich dieser Vorfall sich so zugetragen hat, woran ich keine Zweifel habe, vermisse ich den Aufschrei der Empörung in den deutschen Medien und der Öffentlichkeit. Da wird eine gewählte Bundestagsabgeordnete, die in Bezug auf die Lösung des Krieges in der Ukraine eine vom Mainstream abweichende Position vertritt, mit dem Tod bedroht, und zwar nicht von einem Privatmann, sondern vom offiziellen Vertreter der Ukraine in Deutschland, der ein glühender Verehrer von Stepan Bandera ist, dessen Truppen mit der SS während des Zweiten Weltkrieges kooperiert haben (siehe hierzu auch zahlreiche Artikel der Bundeszentrale für politische Bildung).

„Wehret den Anfängen“ ist ein geflügelter Ausspruch, wenn es um die Warnung vor gefährlichen politischen Entwicklungen geht. Dies trifft auch auf den Nationalismus in der Ukraine zu, der sich – wie ich an drei Beispielen zeigen wollte – an falschen Vorbildern orientiert. Nazis haben in der EU nichts zu suchen. Das gilt nicht nur für Westeuropa. Die europäischen Staaten sollten in den EU-Beitrittsgesprächen von der ukrainischen Regierung fordern,  Nazis wie den Soldaten „111toha 22“ aus dem Asow-Regiment zu entfernen und die Besinnung auf Nazi-Traditionen in der Gesellschaft konsequent zu bekämpfen. Denn man kann nicht in Deutschland gegen Nazis Demonstrationen organisieren, sie aber in der Ukraine tolerieren.

DAS KÖNNTE IHNEN GEFALLEN