Horrorvision eines Datenschützers – Die Politik lässt lieber Menschen und berufliche Existenzen sterben als den Datenschutz einzuschränken – George Orwell jun.#

von Diskurs Hamburg

Ich habe einen bösen Traum gehabt: Da musste jeder Bürger am Eingang zu einem Supermarkt, einer Buchhandlung etc. (Restaurants sind ja ohnehin schon lange zu – viele wohl für immer), beim Einsteigen in einen Zug, Bus etc. sein Handy an einen Scanner halten. Von da wurden meine kostbaren Daten dann an einen staatlichen Server geschickt und dort gespeichert. Grauenhafte Vorstellung! Der Server hätte also  —  wenn er Lust gehabt hätte  — ein Bewegungsbild von mir erstellen können. Wo bin ich wann gewesen? Wen habe ich getroffen? Heutzutage gibt es ja keine Mitmenschen mehr, sondern nur noch Virenschleudern.

Die Herren Spahn, Wieler und Tschenscher haben mir dann erklärt, es sei alles nur zu meinem Besten. Dadurch würden meine eventuellen Kontakte zu Infizierten blitzschnell festgestellt und ich zu einem PCR-Test gebeten werden. Durch die somit schnellen Reaktionszeiten könnte die Ausbreitung der Corona-Viren dramatisch reduziert werden, so dass die Pandemie in sich zusammenfällt.

Meinen Einwand, das Nachverfolgen könne man doch auch weiterhin per Fax machen, fanden die Herren nicht überzeugend, weil die Faxgeräte aus Altersschwäche häufig klemmen, die Gesundheitsämter dünn besetzt sind und am Wochenende ohnehin geschlossen. Sonntagsruhe ist tarifvertraglich geregelt.

Sie haben mir außerdem erklärt, dass meine wertvollen Daten „wo ich wann war“ ja nur auf dem Server lägen und im Normalfall (wenn keine Risikobegegnungen stattgefunden haben, also fast immer) nach einer bestimmten Zeit automatisch gelöscht werden. Das kann ja jeder sagen. Bestimmt gibt es Leute, die dafür bezahlen, um zu erfahren, in welchem EDEKA-Laden ich gestern wann eingekauft habe. Sie haben mir dann versichert, dass jeder Zugriff auf meine persönlichen Wann-wo-Daten im Kontaktfall einen richterlichen Beschluss erfordert. Ja, aber was ist, wenn der Richter gerade der Ehemann meiner außerehelichen Beziehung ist?

Dem Staat muss man immer mißtrauen. Die Datenschützer tun das ja auch, natürlich zu meinem Schutz. Anders ist das bei privaten Unternehmen wie Google, Facebook, Amazon und Co. Denen kann ich meine Daten ruhig geben oder   —  noch besser  —  gar nicht erst fragen, was sie damit machen. Dass die meine Daten auch verkaufen  —  z.B. an McDonalds oder die chinesische Regierung  —  ist halt normal im Kapitalismus.  Shoshana Zuboff übertreibt in ihrem Buch „Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus“ bestimmt schamlos.

Meine Daten sind natürlich auch bei der NSA (National Security Agency) und der PHC (Putin’s Hacker Combo). Das habe ich zwar auch nicht autorisiert, kann es aber ohnehin nicht verhindern.  Bestehen kann ich aber darauf, dass der typisch-deutsche, gründliche Datenschutz jederzeit erhalten bleibt   —  statt diesen temporär zu suspendieren  —  und nicht mein böser Traum Realität wird.

Bei meinem Alptraum funktioniert zwar die Corona-Nachverfolgung schnell, viele Menschenleben wären gerettet worden, man hätte nicht massenhaft Läden, Restaurants, Hotels, Tourismus-, Messe und Veranstaltungsbetriebe und die gesamt Kulturlandschaft plattmachen müssen. Aber meine Daten sind mir eben heilig. Intelligente Lösungen werden total überschätzt.

# „George Orwell“ ist natürlich nicht mein richtiger Name. Aber seit der politikerhörige Verfassungsschutz den Tatbestand der „Verfassungsschutzrelevanten Delegitimierung des Staates“ erfunden hat, weil ihm gewalttätige Islamisten, Links- und Rechtsradikale nicht mehr genügen, gerät man mit jeder Kritik an den Politikern in den Verdacht, man wolle die Gesellschaft spalten statt an der Schaffung des Guten, Wahren und Politischkorrrekten mitzuwirken. Und wer will sich schon im Verhörraum des Hamburger Verfassungsschutzes am Hauptbahnhof wiederfinden.

DAS KÖNNTE IHNEN GEFALLEN